Ein bissel mehr auf den Boden, bitte...

... im Tango heutzutage.

... und drei bodenständige Ansätze, um den Blutdruck zu senken...




Früher, in ganz alten Zeiten, anno dazumal, war der Tango bodenständig. Im wörtlichsten Sinne. Straßenpflaster statt Schwingbodenparkett. Die Menschen damals tanzten ihn mit ihrem wahrscheinlich einzigen Paar Schuhe, aber glücklich und voller Lebenslust trotz - oder gerade wegen - so schwieriger Lebensumstände, wie wir sie uns heute nur noch ansatzweise vorstellen können.  Sie fütterten ihn mit ihren Leidenschaften, und Musiker aus verschiedensten Ländern schneiderten ihm sein verrücktes, kunterbuntes Gewand.

Einfach so!
Einfach nur tanzen!

Ohne an kompliziert formulierte Befindlichkeitsschwurbeleien in Fremdsprache zu denken oder den Tango philosophisch betrachtend zu überhöhen, wie es heute gern und oft praktiziert wird.

Einfach nur Tango tanzen
und in der restlichen Zeit
das Leben meistern.

Mir ist schon klar, dass man das Rad der Zeit nicht zurückdrehen kann. Rückblicke neigen zur romantischen Verklärtheit. Der Alltag für die Tangotänzer damals war gewiss nicht einfach, und du bist bestimmt genauso glücklich wie ich über ein eigenes Klo in der Wohnung, fließendes Wasser aus der Leitung in Trinkqualität, kostenlose Schulbildung und gesunde Nahrungsmittel in Hülle und Fülle.

Die Idee der Einfachheit

ist es wert,  finde ich, im Heute wieder mehr gepflegt zu werden: im Tango und in der Heilkunde.

Als schönes Beispiel dient (mal wieder ;) der hohe Blutdruck, das böse Schreckgespenst...
Wieviele Menschen jenseits der Sechzig kennst du, die keine Blutdrucksenker schlucken, oder wenigstens als "essentielle Hypertoniker" geführt werden? Es geht schon los bei der Feststellung.

 

Fehlerquellen beim Messen: 

So simpel kommst du vielleicht zu deinem Bluthochdruck:
 
Geh einfach zu einem Arzt, von dem du ein Untersuchungsergebnis erhalten sollst, z.B. ob dein Fleck ein Muttermal war oder ein Melanom sein könnt', und lass dir den Blutdruck messen.

Erledigt das der Herr Doktor selber, dann bedenke, dass der untere Wert (der diastolische) mit dem Alter des Arztes steigt. Notiert werden soll der Wert, wenn beim Ablassen der Luft aus der Manschette nichts mehr zu hören ist - nicht der letzte oft zarte Ton. Das wird bei nachlassendem Gehör schwierig. Der "Notationsfehler" ist aber auch bei jüngeren beliebt, die es nicht besser wissen.

Dass Spargelamazonen wie ich die gleiche Manschette umgelegt bekommen wie der Sumoringer, der vorher dran war, kenne ich seit meiner Ausbildungszeit. Das wäre an sich nicht so schlimm, wenn die daraus resultierenden Fehler einfach mit berechnet würden: Verwendest du eine Normalmanschette, bringt schon ein 30 cm dicker Arm 10 mm systolisch und 15 mm diastolisch mehr auf der Skala. Ist der Arm noch umfangreicher, kannst du auch bis zu saftigen 30 mm mehr gemessen bekommen als tatsächlich vorhanden sind! Auch eine zu locker angelegte Manschette oder Sprechen während der Messung verfälschen die Werte Richtung oben.

Die Langzeitmessung zeigt wahrscheinlich ziemlich verlässlich ein paar Spitzenwerte - es sei denn, dein Leben ist wirklich schrecklich langweilig. Zur Melanom-Frage gesellt sich die Aufregung um den Hochdruck. Außerdem bist du vielleicht schon "alt genug" oder nimmst schon seit ein paar Jahren Betablocker oder ähnliches. Vor der Verordnung damals wurden natürlich sämtliche sonstige Auslöser wie Nieren etc. gecheckt mit Ergebnis: Man weiß nix genaues, Blutdruck ist halt hoch, also essentiell. Dann bekommst du den Stempel "chronisch essentielle Hypertonie" nicht mehr so leicht von der Hacke und aus der Akte, auch wenn sich die vor einigen Jahren belastende Lebenssituation zum Guten gewendet hat.

Ein dauerhaft zu hoher Druck ist ungesund, kein Zweifel. Aber dieser sollt' schon vorher ordentlich nachgewiesen sein. Das einfach scheinende Blutdruckmessen ist eine Methode, die Können erfordert: Sauber messen lassen über einen längeren Zeitraum, von jemanden, der sein Handwerk beherrscht.

Dazu braucht der- oder diejenige ein handtaschenkompatibles Gerät, am besten ein stromunabhängiges (da weniger fehleranfällig) und saubere Ohrwatscheln: kostengünstig, einfach und geschwind durchzuführen.

Das muss die Basis vor der Therapie sein!
Ganz einfach!

Der heutige Tango bräuchte ebenso eine klare Diagnosestellung, ob er denn wirklich krankt, und eine Therapie mit Códigos etc. überhaupt nötig ist. Ich befürchte, mancherorts will man es lieber nicht so genau wissen. Der Tango, den ich vorgestern getroffen habe, schien mir pumperlg'sund.


Exakt gemessen. Zu hoch. Und was jetzt?

Zum Einstieg in die Therapie (oder Ausstieg aus der bestehenden) bieten sich meiner Erfahrung nach drei einfache Maßnahmen an.

Die Nebenwirkung bei der Kombination der drei Ansätze ist zu verkraften: Du wirst dich insgesamt wohler fühlen - leichter - physisch und psychisch. Falls du medikamentenpflichtig bist, kannst du vielleicht nach einiger Zeit die Dosis reduzieren oder die Blutdrucksenker ganz absetzen. (Bitte nur in Absprache mit dem Heilkundler deines Vertrauens, unter Kontrolle!)

1. Gut essen - abwechslungsreich mit viel Sonne

Iss möglichst wenig konfektionierte Nahrung oder gar nahrungsmittelähnliche Produkte (Fertigpizza etc.). Lieber Frisches, viel Gemüse - das nicht roh sein muss. Versuche den Wurstanteil gering zu halten. Fisch ist günstiger oder eine kleine (weniger als ein Pfund, meine Herrn) Portion gutes (!) Fleisch. Mit Verlaub - tote Tiere, die vorher wenigstens ein schönes Leben haben durften, schmecken besser.

Nicht kochen können ist keine Ausrede! Ob du dir von Jamie Oliver internettisch oder Schuhbeck live im Kochkurs helfen lässt, bleibt dir überlassen. Hier findest du als Anregung eine feine Auswahl von köstlichen Spezialmahlzeiten, die helfen können, deinen Blutdruck mittelfristig zu senken: http://www.ndr.de/ratgeber/kochen/rezepte/rezeptdb230.html

Rote Bete-Saft enthält einen Wirkstoff, der die Gefäße erweitert und auf diese Weise mithelfen kann, den Blutdruck zu senken. Das enthaltene Nitrat wird mit dem Speichel zu Nitrit abgebaut. Also lange genug im Mund verweilen lassen ;) Geschmacklich mag dieser Saft nicht der Burner sein, schädigt dafür aber weder deine Leber noch die Nieren. Empfohlen wird ein halber Liter täglich.

Mit frischen Kräutern, Gewürzen und hochwertigen Ölen lässt sich Gemüse sogar für hartnäckige Fleischitarier zufriedenstellend zubereiten. Nebenbei wirken manche Zugaben wie Medizin. Aber dazu wird ein eigener Blogbeitrag fällig ;)

Beim Tango bevorzuge ich den Unkonfektionierten, den Hausgemachten, den mit einzeln herausschmeckbaren Stimmungen und den duftenden Gewürzen, die mein Tanzpartner und ich heute hinmischen möchten. Abwechslungsreich und frisch. Das nährt die Seele.


2. Aderlass und Ausmisten

Klingt archaisch nach Doktor Eisenbarth, kann aber auch helfen, den Blutdruck langfristig und nachhaltig zu senken. In einer Studie der Berliner Charité zeigte sich, dass bei einigen Patienten, die alle drei Monate Blut spendeten (die "moderne" Form des Aderlasses, macht weniger Sauerei) sich der Blutdruck senkte. Teilweise konnte die Medikamentendosis reduziert oder ganz abgesetzt werden.

Vermutlich bilden sich nach der Blutspende neue Erythrozyten. Diese seien elastischer und schlüpfen wohl geschmeidiger durch's Gefäßsystem. So wäre weniger Druck nötig, um das Blut durch den Körper zu pumpen.

... und das Rote Kreuz kann seine Lager füllen.


Altes, Starres, nicht mehr Verwertbares loszuwerden tut uns und auch dem Tango gut. Die Seele und Beziehungen entrümpeln, entsorgen oder schlucken, verdauen, den Rest... na, du weißt schon. Dann hat das aktuelle Leben genug Platz.

Wenn also wieder ein Milongagast den gemischt auflegenden Tango-DJ drohend unter Druck setzt: "Wenn jetzt dann keinen richtigen Tango auflegst, geh ich fei!", wünsche ich mir einen Milonga-Aderlass: Soll der Bitterdrops halt gehen! Die Verbleibenden, der Tango und seine Tänzer, können dann leichter fließen... Standardtreue Deckeldosen für saure Gutsis gibt's genug.



3. Bewegen... zuerst innen, dann außen

Ganz tief drinnen wohnt bei den meisten Menschen der innere Schweinehund. Manche geben ihm sogar einen Namen: "Horst" oder so. Bewegen will der sich nicht! Weder mental noch körperlich.

Aber irgendeine Tätigkeit findet sich immer, die unser "Horst" nicht als "Bäh-Sport" erkennt.
Die Bilanz muss stimmen, die Formel dazu kommt ganz einfach daher:
"Direkt spürbare Lebenslust" minus "Aufraffen und Durchführen der Aktion" ist gleich schweinehundumgehende Wohlfühl-Tätigkeit.

Sei kreativ, probiere aus, bilanziere!

Dann wird deine Bewegung - welche auch immer - nicht mehr lästig, sondern notwendig. Du wirst sie brauchen, wie einen guten Freund, und nicht mehr aus deinem Leben lassen wollen.

Die Nebenwirkungen sind dir wahrscheinlich eh klar: Gewichtsabnahme und bessere Stimmung.

Wir sind geschaffen, um uns zu bewegen - mit Leib und Seele.

Mit Träumen und g'spinnerten Ideen im Gepäck
an's andere Ende der Welt ausgewandert...
Hart gearbeitet,
getanzt wie der Lump' am Stecken.

Hätten das die Tangoproletarier zu Urzeiten nicht gemacht,
einfach so,
hätten sie nicht überlebt.
Und der Tango wäre gar nicht erst entstanden.
Dank' euch, ihr mutigen Leut', in den Himmel hinauf!

Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel





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Kommentare

  1. Einfach nur Tango tanzen
    und in der restlichen Zeit
    das Leben meistern.

    Das gilt noch. Liebe Grüße. Christoph

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  2. Ja!
    Denn wer Tango tanzen kann,
    braucht sich vor nichts mehr zu fürchten.

    Herzliche Grüße,
    Manuela

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Aktualisiert am 15.10.19