Buchbesprechung: "Wenn Tango Leiden schaf(f)t: Mit glücklichen Füßen genussvoll tanzen" von Birgit Faschinger-Reitsam

Ein Buch voller Erfahrungen und erprobter Tipps für zufriedene Tangotänzerinnenfüße



Birgit Faschinger-Reitsam (www.draufgaengerin.de) beschreibt uns in ihrem frisch erschienenen Werk EINEN Weg zum Tango, einen aus meiner Sicht steilen: Den Ihrigen, den sie zwangsläufig (?) highheelbewehrt bewältigte, der ihr trotz aller Widrigkeiten glückliche Füße und vor allem sinnlichen, ganzkörperlichen Genuss beim Tanzen schenkte.

Der Wunsch, das Tangoland mit hübsch-hohem Schuhwerk zu betreten und zu erkunden, ist mir persönlich zwar ein bissel fremd, dennoch scheint er mir sehr weit verbereitet. (Heute noch viel mehr als vor 16 Jahren, als Tangueras noch in Cargohosen zur Milonga erscheinen durften, mit dem einzigen Schuhanspruch im Beutel: "Er muss so bequem sein, dass ich stundenlang drin tanzen kann! Aussehen und Höhe irrelevant!")

Kein Wunder, dass Probleme sich gerne in Glitzi-Glänzi-Peeptoe-geschmückten Füßen manifestieren, Fußschmerzen als Bühne nutzen. Dabei spielt es keine Rolle, welche Aufgaben aktuell zu meistern sind: Die Autorin beschreibt  spezielle Tangotanzprobleme, Schmerzen oder "Hemmschuhe", die sich die Damen gerne anziehen (z.B. Scham, Stress, "nicht gut genug sein", etc.) - verschiedene Stoppschilder auf der Reise zur wohligen "Körperbenutzung".

Diese Betrachtungen kommen erfrischend authentisch daher. Ich finde, man kann ihre eigenen, bitteren Erfahrungen zwischen den Zeilen glimmen sehen. Gerade die Vielzahl der verschiedenen Blickwinkel, die Birgit Faschinger-Reitsam einnimmt, ermöglichen ein schlüssiges Verknüpfen zu ganzheitlichen Lösungsansätzen.

Sie kredenzt uns Gedanken zum konstruktiven Umgang mit Schmerzen, liefert praktische Ratschläge "rund um den Schuh", Tipps zur verwöhnenden Pflege unserer "Freunde am anderen Ende des Universums" und zur artgerechten, entspannten Nutzung derselben, ergänzt mit feinen Visualisierungen und ergänzenden Entspannungsübungen. Wie im Tango und im "echten Leben" - Leib und Seele zusammenzubringen stimmt glücklich.


Ihre Ermutigung, Folgendes von "Profis" zu lernen und ihr Hinweis, dass die Umsetzung Zeit und Übung erfordert, empfinde ich gerade für Anfängerinnen als besonders wichtig:
  • den eigenen Körper als Instrument zu begreifen, das Pflege braucht 
  • ihn kennenlernen und hinein zu investieren für genussvolles Tanzen
 Ich hätte mir gewünscht, dass sich die Autorin mehr ins Rampenlicht traute, statt hinter diversen "Expertinnen" in der zweiten Reihe zu verschwinden. Und womit? Mit Recht! Schließlich hat sie selber genügend Stoff im Schuhbeutel! Ich erinnere hier an die Textpassagen, in denen sie die Leserinnen ermuntert, sich als etwas Besonderes zu sehen und den staubigen Glaubenssatz "nicht gut genug sein" zu entsorgen.

Besonders schatzkistenverdächtig - leider ebenso ein wenig im Beiläufigen versteckt - finde ich Birgits Gedanken zum Umgang mit Tangokrisen. Diese gehören meiner Erfahrung nach zur ganz normalen Entwicklung der Tangotänzerin dazu. Da muss man einfach durch! Also, liebe "Tangoküken", lesen und beherzigen!

Fazit: Ein höchst bodenständiges Buch für Tangoanwenderinnen, die ihren Fußschmerzen Adieu sagen und mehr Genuss im Tango finden möchten. Empfehlenswert! (... und lass dich vom Cover aus der Tangoklischee-Kiste nicht abschrecken ;)

Erhältlich als Taschenbuch (128 Seiten, 13,50 €) und E-book (10,50 €) bei Amazon oder direkt bei der Autorin (www.draufgaengerin.de/impressum). Viel Vergnügen beim Lesen!

"Tanz mal drüber nach"



Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel





Birgits Blog: http://www.draufgaengerin.de/
https://www.facebook.com/Draufgaengerinnen/
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